"Wir haben gerade festgestellt, dass wir unter NIS2 fallen. Und jetzt?"
Diese Frage hören wir derzeit täglich. Die meisten Unternehmen sind überrascht, dass sie betroffen sind. Und noch überraschter, dass das Gesetz bereits gilt – ohne Übergangsfrist.
Die gute Nachricht: Sie müssen nicht in Panik verfallen. NIS2-Compliance ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Das BSI gibt Ihnen bis zu 3 Jahre Zeit für die vollständige Umsetzung. Aber: Sie müssen JETZT anfangen.
Die schlechte Nachricht: Wenn Sie planlos starten, verschwenden Sie Zeit und Geld. Die meisten Unternehmen machen die gleichen Fehler: Sie fangen mit den falschen Themen an, kaufen teure Tools die sie nicht brauchen, und verlieren sich in Details statt die Basics zu sichern.
Dieser Artikel gibt Ihnen einen klaren, praxiserprobten 90-Tage-Plan:
Der größte Fehler: Unternehmen wollen sofort die perfekte Lösung. Sie kaufen teure Security-Tools, engagieren Berater für Monate, wollen ISO 27001 von Tag 1.
Stattdessen: Sichern Sie erst die Grundlagen ab (Backups, Patches, MFA), bevor Sie in High-End-Lösungen investieren.
NIS2 fordert nicht Perfektion, sondern Nachweisbarkeit. Sie müssen zeigen können, dass Sie sich Gedanken gemacht, Risiken bewertet und Maßnahmen umgesetzt haben.
Merksatz: 'Was nicht dokumentiert ist, existiert nicht' – auch wenn Sie es faktisch tun.
Sie brauchen nicht sofort ein vollwertiges ISMS nach ISO 27001. Starten Sie mit einer Excel-basierten Risikoliste. Sie brauchen nicht gleich ein SIEM. Starten Sie mit strukturiertem Logging.
Das Ziel: In 90 Tagen ein funktionierendes Basis-System, das Sie dann iterativ ausbauen.
Diese Roadmap ist für mittelständische Unternehmen (50-250 Mitarbeiter) optimiert, die noch kein strukturiertes IT-Sicherheitsmanagement haben. Sie ist bewusst pragmatisch gehalten und fokussiert sich auf Quick Wins.
Ziel dieser Phase: Klarheit schaffen, Team aufstellen, Basics sichern
Tag 1-2: Management-Entscheidung & Team-Aufstellung
Geschäftsführung billigt NIS2-Projekt offiziell
Projektleiter benennen (intern oder extern)
Core-Team definieren: IT-Leiter, CISO (falls vorhanden), Datenschutzbeauftragter
Erstes Budget freigeben (siehe Kostenplanung unten)
Zeitaufwand: 4-8 Stunden (Geschäftsführung)
Tag 3-5: Betroffenheit final klären
BSI NIS2-Checker durchführen
Sektoren-Zuordnung prüfen
Größenkriterien validieren (>50 MA oder >10 Mio. €)
Besonders wichtige vs. wichtige Einrichtung klassifizieren
Registrierung beim BSI vorbereiten (ab Q1 2026 verpflichtend)
Zeitaufwand: 8-16 Stunden (Projektleiter)
Quick Win 1: Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) einführen
Für alle Admin-Zugänge: SOFORT verpflichtend
Für normale User: Schrittweise ausrollen
Tool-Empfehlung: Microsoft Authenticator (bei M365), Google Authenticator, Duo
Zeitaufwand: 16-24 Stunden (IT-Team) | Kosten: 0-500 € (bei M365 inklusive)
Quick Win 2: Backup-Strategie überprüfen & härten
Zeitaufwand: 24-40 Stunden (IT-Team) | Kosten: 1.000-5.000 € (Hardware/Cloud-Speicher)
Quick Win 3: Patch-Management systematisieren
Patch-Richtlinie definieren: Kritische Patches binnen 14 Tagen
Automatisches Patching wo möglich aktivieren
Zeitaufwand: 16-24 Stunden (IT-Team)
Aufgabe 1: IT-Asset-Inventar erstellen
Alle Server, Clients, Netzwerkgeräte erfassen
Software-Lizenzen dokumentieren
Cloud-Services auflisten
Kritische Systeme markieren
Tool-Tipp: Starten Sie mit Excel. Später: Asset-Management-Tools wie Snipe-IT, GLPI
Zeitaufwand: 24-40 Stunden (IT-Team)
Aufgabe 2: Erste Risikoanalyse (vereinfacht)
Top 10 IT-Risiken identifizieren (z.B. Ransomware, Datenverlust, Ausfall kritischer Systeme)
Eintrittswahrscheinlichkeit bewerten (hoch/mittel/niedrig)
Schadenshöhe schätzen
Bestehende Schutzmaßnahmen dokumentieren
Handlungsbedarf priorisieren
Zeitaufwand: 16-24 Stunden (Geschäftsführung + IT-Team gemeinsam)
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✅ MEILENSTEIN PHASE 1 |
Ziel dieser Phase: Systematische Prozesse aufbauen, Dokumentation vertiefen
Aufgabe 1: Incident Response Plan erstellen
Rollen definieren: Wer ist bei einem Vorfall verantwortlich?
Eskalationswege festlegen: Wer informiert wen wann?
Kontaktlisten pflegen: IT-Forensik, Anwalt, Versicherung, BSI
Playbooks für häufige Szenarien: Ransomware, Datenleck, DDoS
Aufgabe 2: Meldeprozess an BSI einrichten
Zeitaufwand: 8-16 Stunden
Aufgabe 1: Kritische Dienstleister identifizieren
Aufgabe 2: Dienstleister-Fragebogen versenden
Aufgabe 3: Vertragsklauseln vorbereiten
Zeitaufwand: 32-48 Stunden (Einkauf + IT + Legal)
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✅ MEILENSTEIN PHASE 2 |
Ziel dieser Phase: Awareness schaffen, technisches Monitoring aufsetzen
Aufgabe 1: Security Awareness Kampagne starten
Pflicht-Schulung für alle Mitarbeiter: Phishing, Passwortsicherheit, Social Engineering
Tool-Tipp: KnowBe4, SoSafe, oder intern entwickelte Schulungen
Regelmäßige Phishing-Simulationen einführen
Security-Newsletter etablieren (monatlich)PFLICHT: Geschäftsführung muss NIS2-Schulung absolvieren
Zeitaufwand: 16-24 Stunden (Vorbereitung) + 1h pro Mitarbeiter (Schulung) | Kosten: 2.000-10.000 € (je nach Größe & Anbieter)
Aufgabe 2: Geschäftsführer-Schulung
PFLICHT: Geschäftsführung muss NIS2-Schulung absolvieren
Kosten: 200-2.000 € (je nach Anbieter)
Aufgabe 1: Centralized Logging einrichten
Logs von kritischen Systemen zentral sammeln
Mindest-Retention: 6 Monate (besser: 12 Monate)
Zeitaufwand: 40-60 Stunden (IT-Team) | Kosten: 2.000-8.000 € (Setup + Lizenzen)
Aufgabe 2: Basis-Monitoring für kritische Systeme
Tool-Empfehlung: Nagios, Zabbix, PRTG, Datadog
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✅ MEILENSTEIN PHASE 3 |
Eine der häufigsten Fragen: 'Was kostet NIS2-Compliance?' Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Aber hier sind realistische Zahlen für die ersten 90 Tage:
Gesamt-Budget (ohne interne Arbeitszeit): 8.000-34.000 €
WICHTIG: Diese Kosten sind nicht 'wegen NIS2' – sie sind Investitionen in Grundlagen, die Sie ohnehin brauchen. NIS2 ist nur der Auslöser.
Nach 90 Tagen haben Sie ein funktionierendes Basis-System. Aber NIS2-Compliance ist ein kontinuierlicher Prozess. Hier ist, was in den nächsten 12-24 Monaten folgen sollte:
Monate 4-6: Vertiefung & Automatisierung
Monate 7-12: Zertifizierung vorbereiten (optional)
Monate 13-36: Kontinuierliche Verbesserung
Häufig: Unternehmen kaufen teure SIEM-Systeme, bevor sie Backups geregelt haben.
Besser: Erst Basics (MFA, Backups, Patches), dann Advanced Security.
Häufig: IT-Leiter versuchen, alles intern zu stemmen – und scheitern an Überlastung.
Besser: Holen Sie externe Expertise für Gap-Analyse und kritische Bereiche. Sparen Sie dort, wo es möglich ist (Dokumentation), aber nicht bei kritischen Themen.
Häufig: 'Wir machen das schon, aber dokumentiert haben wir es nicht.'
Besser: Alles dokumentieren. Im BSI-Audit zählt nur, was nachweisbar ist.
Häufig: IT macht NIS2 als Projekt, Geschäftsführung ist nur oberflächlich involviert.
Besser: Geschäftsführung MUSS aktiv sein (Billigung, Überwachung, Schulung). Das ist nicht delegierbar.
Häufig: 'Wir machen das mal nebenbei in 4 Wochen.'
Besser: Realistisch planen: 90 Tage für Basics, 12-24 Monate für Vollausbau.
Häufig: Fokus nur auf eigene IT, Dienstleister werden vergessen.
Besser: Dienstleister MÜSSEN von Anfang an einbezogen werden. Sie sind Teil Ihrer Sicherheitskette.
Häufig: Alles gleichzeitig angehen wollen – und nichts wird fertig.
Besser: Klare Priorisierung: Quick Wins zuerst, dann strukturierte Umsetzung.
Ausgangssituation:
Was sie taten:
Ergebnis nach 85 Tagen:
Gesamtkosten: 22.000 € (extern) + ca. 400h interne Zeit
Das Zitat des Geschäftsführers: 'Wir dachten, das wird ein Albtraum. Aber mit klarem Plan war es machbar – und ehrlich gesagt hätten wir das auch ohne NIS2 tun sollen.'
Die Kernbotschaften:
Ihre nächsten Schritte: